Was ist das Patriarchat?


Das Patriarchat: Ein System von Herrschaft und nicht das männliche Geschlecht

Das Patriarchat ist eine tief verwurzelte, historisch gewachsene soziale Struktur und Ideologie, die Männlichkeit und Väterlichkeit über Weiblichkeit und Mutterschaft stellt und Männer in Machtpositionen privilegiert. Es handelt sich hierbei um ein System der Herrschaft und Kontrolle, das unabhängig von den Absichten oder der individuellen Güte einzelner Männer existiert.

Entscheidend ist, dass das Patriarchat nicht gleichbedeutend mit Männern ist. Es ist ein universelles, kulturelles Skript, das Rollenmuster festschreibt und alle Geschlechter in seine Funktionsweise einbindet.

Die Systematik des Patriarchats führt zu einer doppelten Verwundung, die es zu erkennen gilt: Das System manifestiert sich in der kulturellen Abwertung weiblicher Eigenschaften wie Empathie, Emotionalität und Intuition. Es drängt Frauen in Rollen der Fürsorge und Unterordnung, belohnt sie für Fügsamkeit und bestraft sie für das Einfordern von Autorität oder das Ausleben ihrer vollen, ungezügelten Lust. Dies führt zur systematischen Entfremdung von der eigenen inneren Wahrheit und zu psychischen Lasten wie Perfektionismus, chronischer Erschöpfung und dem Gefühl des ständigen Zweifelns an der eigenen Kompetenz.

Gleichzeitig fordert das Patriarchat von Männern, eine "Maske" der Härte und Unverletzlichkeit zu tragen. Es belohnt männliche Dominanz und die Unterdrückung von Verletzlichkeit, Schmerz und echter emotionaler Nähe. Diese erzwungene emotionale Repression wird als "Seelenmord" bezeichnet. Folglich werden Männer zu Akteuren eines Systems, das sie selbst ihrer vollen Menschlichkeit beraubt. Ihre oft beobachtete emotionale Kälte oder Brutalität ist das Ergebnis dieses systemischen Traumas und der patriarchalen Rollenerwartungen.

Die Befreiung von dieser Last beginnt mit der analytischen Unterscheidung: Die Wut oder der Schmerz, der durch Ungerechtigkeit ausgelöst wird, muss sich auf das System der Herrschaft richten und nicht auf den individuellen Mann. Das Ziel ist es, die tief in der Psyche verankerten patriarchalen Normen – die oft von Frauen selbst als "Gatekeeper" durchgesetzt werden – zu erkennen, um sie kollektiv außer Kraft zu setzen. Diese analytische Klarheit ermöglicht es, die Last als ein Fremdprogramm zu identifizieren, das allen übergestülpt wurde.

Nur durch die Zerstörung der Struktur kann der Weg für die Ganzheit und die Souveränität aller Geschlechter geebnet werden, jenseits der starren, leidvollen Rollenvorgaben.

Die Notwendigkeit dieser systemischen Analyse als Weg zur Heilung und zur vollständigen Menschlichkeit aller Geschlechter wird von der feministischen Autorin und Professorin bell hooks in ihrem Werk "Männer, Männlichkeit und Liebe: Der Wille zur Veränderung" eindrücklich dargelegt.


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