Der Raum neben dem Tempel (Teil1)

Wie sich über NLP und den hypnosystemischen Ansatz die mentale Arbeit mit Tantra verbinden lässt.

Publikation in der „Praxis Kommunikation“ vom Februar 2015

Wie ist es möglich, Tantra, die fernöstliche Lehre der Liebeskunst und der ganzheitlichen Selbsterfahrung, mit NLP und Milton Ericksons Hypnotherapie wirkungsvoll zu verbinden? Welche Zusammenhänge gibt es? Wie wirken diese drei Methoden in ihrer Kombination?

Der Unterschied zum „Üblichen“

Es ist fraglich, ob es „übliche“ Tantraseminare überhaupt gibt. Jeder Anbieter legt die Inhalte auf Grund seiner Ausbildung und seiner Persönlichkeit anders aus und setzt unterschiedliche Schwerpunkte. In den Tantra-Seminaren, die ich besucht habe, griff einer der Anbieter neben den tantrischen Übungen, je nach Seminar, teilweise auf bioenergetische Methoden zurück.

Häufig ging es in diesen Seminaren darum, seine Grenzen zu erweitern und sich in seinem Körper neu zu erfahren. Es ging um Werte wie Loslassen und Hingabe, es ging darum, Gefühle frei äußern zu können. Und es ging um die Verehrung des Körper als Tempel der Seele und um unsere Sexualität als göttliche Gabe. Das Vorgehen dabei war sehr stark auf den Körper fokussiert, was vor allem dann ein schöner Balance-Ausgleich ist, wenn man ansonsten viel mit dem Kopf arbeitet.

Die Kombination von NLP, Tantra und Hypnosystemik löst nicht nur die bioenergetischen Methoden weitgehend ab, sondern erweitert die tantrischen Körperübungen und Meditationen mit kognitiven, lösungsorientierten Arbeitsweisen. Es geht hier um Achtsamkeit und Wertschätzung und um die Nutzung dessen, was im Körper geschieht, also der Gefühle und körperlichen Impulse, die wir achtsam wahrzunehmen versuchen. Ich sehe dabei die Körperreaktionen und die aufkommenden Gefühle bzw. Impulse als Botschafter von möglichen Bedürfnissen an, und zwar im Sinne von Gunther Schmidt („der Organismus als VertragspartnerIn“).

Dadurch ergibt sich eine ausgewogene Mischung von körperlichen und geistigen Methoden. Neben umfangreichen Körpererfahrungen des Tantra öffnen wir in meinen Seminaren einen weiteren, einen geistigen Raum, in dem unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer Erfahrungen austauschen können und weitere Entwicklungen auf dieser Ebene erfahren.

Wofür ist es gut?

Tantra ist ein spiritueller Weg, der unter anderem Yoga, Meditation, Körperarbeit und Gesprächsübungen umfasst. Tantra ist ein Weg der Absichtslosigkeit und nicht zielgerichtet. Wie sich Tantra auf das Alltagsleben auswirken kann, ist so vielfältig, wie Menschen unterschiedlich sind.

Es gibt zum Beispiel Menschen, die sich mit ihrer Sexualität sehr an der Oberfläche bewegen, oft so sehr auf den Orgasmus fixiert, dass sie wesentliche und tiefe Erfahrungen versäumen. Ein Auflösen dieser Konditionierung kann Raum für eine ganz neue, wundervolle und einmalige Sexualität mit einer Gefühlstiefe schaffen, die um ein Vielfaches erfüllender ist als das, was wir von unserer Sozialisierung kennen.

Durch die neu erlernte Fähigkeit des Loslassens, der Hinorientierung zum Körper, können wir Trancezustände erreichen, die uns ein tiefes inneres Glücksgefühl vermitteln. Ein Trancezustand, in dem man so tief mit seiner Aufmerksamkeit in den Körper eintaucht, dass das „Gedankenkarussel“ komplett zum Stehen kommt. Im reinen Gefühl des Spürens stellt sich ein tiefes, fortwährendes Glücksgefühl ein.

Solche Erfahrungen wirken sich bei Menschen, die in Beziehungen leben, selbstverständlich auch auf die Qualität dieser Beziehungen aus, sie können diese nachhaltig verändern. Das betrifft natürlich auch die Fokussierung der Aufmerksamkeit im Liebesspiel. Eine größere Nähe wird möglich, die Grenzen werden erweitert, ein ganz anderes sexuelles Selbst mit neuen Möglichkeiten entsteht.

Es geht in diesen Seminaren um eine Entwicklung und Erweiterung, die uns im Alltag hilft.

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